Alte Kirche

- Altar der Alten Kirche

- Bronzetaufe von 1475

- Alte Kirche St. Salvator - Wahrzeichen von Pellworm
Ursprünglich war die Alte Kirche zu Pellworm unserem Heiland und Erlöser geweiht und wurde daher St. Salvator genannt. Diese Namengebung weist darauf hin, dass die Alte St. Salvator Kirche zu Pellworm zu den ersten Kirchbauten des Mittelalters in Nordfriesland gehört.
Die 1907 unter dem Fundament der heutigen Apsis gefundenen Eichenholzschwellen sind Reste der ersten, hölzernen Kirche auf dieser Warft. Diese und eine zweite laut einer Kirchensage im Jahre 1095 erbaute steinerne Kirche sind im 12. Jahrhundert überbaut worden.
Die Alte Kirche war zunächst die Hauptkirche der Pellwormharde (Harde ist die Bezeichnung für die politische Zusammenfassung mehrerer Kirchspiele) und bis 1638 auch das Gotteshaus der Hooger, die in der Flut von 1362 ihre Kirche verloren hatten.
Die ersten Holzkirchen wurden meist auf oder direkt neben den Thingplätzen erbaut, die häufig astronomisch ausgerichtet waren. Deshalb finden sich die Kirchen von Tating/Eiderstedt, Alte Kirche/Pellworm, Nieblum/Föhr und Keitum/Sylt exakt auf einer Himmelsrichtungslinie in gleicher Entfernung von einander. Die vorchristlichen Thingstätten waren Plätze für die Religionsausübung (Kultus) und die Rechtsprechung.
Der heute sichtbare romanisch angelegte Steinbau der jetzigen Kirche zeigt sich in Chorraum und Apsis. Hellbrauner Tuffstein kam im Mittelalter als Ballastgestein mit den aus dem Rheinland heimkehrenden friesischen Getreideschiffen. Vorbild im Material und in der Stilausrichtung war vielleicht der Dom zu Ripen (Ribe) in Dänemark, so dass unsere Alte Kirche der südlichste Ausläufer der Tuffsteinkirchen an der Westküste war.
Das Kirchenschiff ist aus rotem Backstein im Klosterformat errichtet. Grabungen bei der Sanierung zeigen, dass dieses Schiff im Mittelalter vor dem Turmbau verlängert worden ist. Es weist romanische, gotische und barocke Stilelemente auf. Am südlichen Eingangsportal sind unter gotischen Spitzbogen noch die beiden Freisäulen des ehemaligen romanischen Portals zu erkennen. Weitere Säulenteile wurden im Kirchenschiff gefunden, so dass wir von einer größeren romanischen Portalanlage im Westen ausgehen.
Die im Westen der Warft stehende, markante Turmruine aus dem 13./14. Jahrhundert war früher mit der Kirche unmittelbar verbunden. Noch heute sieht man an der Ruine gotische Fensterreste und die Balken- und Rüstlöcher vergangener Zeiten. Der Kirchturm war auch Zufluchtsort, Seezeichen und barg das Läutewerk der Glocken.
Im 15. Jahrhundert hauste der aus Dithmarschen stammende Seeräuber Cort Wiederich im Turm, stahl u. a. die „alte" Taufe (heute in Büsum) und nutzte das Gebäude als „Veste".
Im Jahre 1611 ist der Turm zusammengestürzt, weil er durch einen Grundbruch der Warft seinen statischen Halt verloren hatte, so dass die heutige Ruine nur noch 26 Meter misst.
Unterhalb des Turmes befindet sich der Heimatlosenfriedhof, auf dem meist unbekannte, am Strand angetriebene Leichen christlich bestattet wurden. Der Gedenkstein für 15 junge Schweden erinnert an den tragischen Untergang des nachgebauten Wikingerschiffes „Ormen friske" im Jahre 1950. 1998 wurde daneben ein Gedenkstein für die 96 alliierten Soldaten errichtet, welche auf Pellworm und den Halligen von 1940 bis 1947 ihre erste Ruhestatt fanden.
Die biblischen Worte wurden bei der Beisetzung der ersten Flugzeugcrew 1940 von Pastor Karl Hansen ausgewählt. („Jesus Christus spricht: Ich bin die Auferstehung und das Leben." und „Es ist nur ein Schritt zwischen mir und dem Tod").
Der spätgotische Altar unserer Kirche stammt aus der Zeit um 1460. Sein geöffneter Aufsatz zeigt mit den aus Eichenholz geschnitzten Gruppenbildern sieben Szenen aus der Passionsgeschichte, der Leidensgeschichte Jesu. Die Innenflügel sind nur bei Kirchenführungen zu sehen und gehören zu einem 16-teiligen Bilderaltar, der Gemälde aus der Mariengeschichte zeigt. Die Rückseite des gänzlich geschlossenen Aufsatzes zeigen Bilderreste, den sog. „Märtyrerbaum", der an die Leiden der frühen Christen erinnert, und die „Gregorsmesse" (Papst Gregor der Erste initiierte die Mission Englands, welches Friesland und Nordfriesland dann später seine Missionare sandte!).
Die jetzige Bronzetaufe stammt aus der 1634 untergegangenen Kirche zu Buphever und wurde 1475 von Hinrich Klinghe gegossen.
Über der Südertür hängt eines der ältesten Epitaphe einer Pastorenfamilie aus dem Jahre 1601. Im Zentrum der unteren Szene steht die Frau des Pastors. Die meisten der abgebildeten Kinder sind zur Zeit der Abfassung des Wandbildes bereits verstorben, werden aber mitten unter den Lebenden kniend, betend und unter der Szene Golgathas befindlich dargestellt.
Der Beichtstuhl von 1691 weist uns darauf hin, dass die Beichte in der lutherischen Kirche zwar nicht als Sakrament beibehalten, aber als „Amt der Schlüssel" weiter praktiziert wurde - auf Pellworm etwa bis ins ausgehende 19. Jahrhundert.
Die Bilder rechts und links der Chorwand zeigen den Pastor und Inspector der Nordstrander Kirchen Johannes Heimreich (1586-1664) sowie seine Ehefrau.
An der Südwand hängen die Portraits von Pastor Petrus Harrsen und seiner Frau (18. Jahrhundert). Während seiner Amtszeit wurde im Jahr 1711 auch die Arp-Schnitger-Orgel gestiftet und erbaut.
Sie ist das einzige in Schleswig-Holstein noch erhaltene Instrument dieses berühmten barocken Orgelbauers und wurde in den Jahren 1987 bis 1990 von der Firma Hillebrandt aus Hannover restauriert. Zwei Manuale und ein Pedal erlauben das Spielen von 24 Registern mit verkürzter Oktave.
In der Saison finden hier jeden Mittwochabend um 20.30 Uhr Orgelkonzerte mit Künstlerinnen und Künstlern aus dem In- und Ausland statt.
Die Kirche bedarf laufend weiterer Restaurierung und Erhaltung! Durch eine Spende können Sie uns helfen. Nutzen Sie den Spendenkasten im Chorbogen oder überweisen Sie uns etwas. Unsere Kontoanschrift lautet:
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Text: Walter Fohrbeck

